Resilienz im Gespräch

Sieben Perspektiven darauf, was uns in bewegten Zeiten stärkt und trägt.

Gespräche über Zuversicht, Selbstfürsorge, Akzeptanz, Selbstwirksamkeit, Netzwerkorientierung, Lösungsorientierung und Zukunftsorientierung.

Resilienz im Gespräch – Teil 2: Selbstfürsorge mit Johannes Claudio Bambas

Weiter geht es mit meiner Serie. Nach dem ersten Gespräch mit Carsten Fuchs zum Thema Zuversicht spreche ich jetzt mit Johannes über das Thema "Selbstfürsorge".

Und er spricht gleich mal Klartext:

"Selbstfürsorge hat nichts mit Wellness zu tun. Sondern sie ist wirklich essenziell, um diese Leistung, die du von deinem Körper abverlangst, dauerhaft liefern zu können."

Johannes arbeitet mit Unternehmern, Beratern, Führungskräften. Menschen, die 50, 60 Stunden pro Woche arbeiten. Die konstant abliefern müssen. Die sich Ausfälle nicht leisten können.

Und die eines gemeinsam haben: Sie arbeiten gegen ihren Körper. Bis es nicht mehr geht.

Johannes sagt: "Wenn du nicht mit deinem Körper arbeitest, sondern gegen ihn – was ich früher auch ganz lange gemacht habe – dann funktioniert das System einfach irgendwann nicht mehr."

Denn: Wenn du nicht mehr leistungsfähig bist, geht auch dein Unternehmen den Bach runter.

Im vollständigen Interview spricht Johannes über:

→ Was Selbstfürsorge wirklich ist

→ Die Basics, die sofort wirken

→ Warum kleine Gewohnheiten den Unterschied machen

→ Und warum du mit deinem Körper umgehen musst wie mit einem Sportwagen

Das vollständige Interview findest du hier

Resilienz im Gespräch – Teil 2: Selbstfürsorge. Mit Johannes Claudio Bambas

Was ist Resilienz für dich?

Resilienz bedeutet nicht, dass man einfach nur immer widerstandsfähig ist. Dass man hart zu sich selber ist. Das hilft einem ab und zu vielleicht auch mal weiter.

Aber Resilienz bedeutet auch, dass man darauf schaut, regenerationsfähig zu bleiben. Dass man wirklich nach Belastung – sei es jetzt beruflich, sportlich, wie auch immer – hinbekommt, wieder in die richtige Spur zu kommen. Ohne, dass der Körper oder der Kopf dafür einen entsprechenden Preis bezahlen muss.

Das heißt, dass man als System – der Körper und der Kopf als System zusammen – wirklich die Belastung aushalten kann und danach sich auch stabilisieren kann.

Und das entsteht nicht dadurch, dass man alle Probleme wegdrückt, sondern weil man gute Grundlagen hat und weiß, wie man damit umgehen kann. Dass man Schlaf, Energie, Nervensystem, Beziehung hat. Dass man auch einen Sinn im Leben hat. Dass man gewisse Routinen hat.

Und wichtig ist, dass Resilienz nicht eine Persönlichkeits-Eigenschaft ist, die angeboren ist. Nichts, was du hast oder halt nicht. Sondern es ist genauso wie ein Muskel. Etwas, was trainierbar ist. Du kannst daran arbeiten und daraus deine Resilienzfähigkeit stärken.

Was bedeutet Selbstfürsorge als Ressource für dich? Und was ist es nicht?

Selbstfürsorge bedeutet für mich erst mal, dass man eigene Verantwortung übernimmt. Für sich und dafür, was man seinem Körper antut.

Es bedeutet nicht, dass man alles auf „die Umstände“ schiebt, sondern wirklich die Verantwortung trägt und sagt: „Mein Körper, wie wichtig ist mir der eigentlich? Und was leistet der eigentlich?“. Dass man versucht, wirklich mit dem Körper zu arbeiten und ihn als das zu betrachten, was er ist. Nämlich das wichtigste Arbeitswerkzeug, das du hast. Und du hast nur diesen einen Körper.

Egal, ob du beruflich erfolgreich sein willst, ob du sportliche Ziele hast, egal, was du erreichen willst: Wenn du nicht mit deinem Körper arbeitest, sondern gegen ihn – was ich früher auch ganz lange gemacht habe – dann funktioniert das System einfach irgendwann nicht mehr.

Das ist auch das, was ich in meiner Arbeit immer wieder bei den ganzen High-Performern in jeglichen Bereichen merke, sei es jetzt Berater, Unternehmer, die extrem viel leisten: Wenn man nicht darauf achtet, dass man Selbstfürsorge betreibt, sich um seinen Körper kümmert – was am Ende genau das Asset ist, was man benötigt, um diese top Leistungen aufrechterhalten zu können – bekommt man am Ende riesige Probleme.

Selbstfürsorge hat nichts mit Wellness zu tun. - “Ich lege mal die Füße hoch und lass mich massieren.”. Auch, wenn Massage auch gut sein kann. Selbstfürsorge ist kein Luxus. Sondern sie ist wirklich essenziell, um diese Leistung, die du von deinem Körper abverlangst, dauerhaft liefern zu können.

Mit deinem Sportwagen gehst du auch in die Werkstatt. Lässt ihn regelmäßig inspizieren. Lässt ihn regelmäßig warten. Achtest auf ihn.

Und genauso musst du es mit deinem Körper machen. Denn wenn der erstmal kaputt ist, dann ist es viel schwieriger, den wieder zu „reparieren“, als wenn man rechtzeitig eingreift und dafür sorgt, dass es gar nicht so weit kommt. „Prevention is better than cure". Es ist immer einfacher, deinen Körper zu warten und auch wirklich gut zu erhalten.

Warum fällt uns Selbstfürsorge so schwer? Was nimmst du wahr?

Das Problem dabei ist, dass viele diese Selbstfürsorge gerne mit Schwäche oder Zeitverlust verwechseln. Und sagen: „Okay, ich bin ein starker Typ, ich muss mich nicht um mich selber kümmern. Die Zeit, die ich jetzt in mich selber investieren soll, die kann ich besser ins Unternehmen stecken.“. Was aber eine Milchmädchenrechnung ist. Weil es am Ende heißt: Wenn du nicht mehr leistungsfähig bist, geht dein Unternehmen auch den Bach runter. Viele von uns haben gelernt: Erst liefere ich ab, erst muss ich Leistung bringen - und dann bin ich dran.

Dabei musst du das umdrehen: Erst muss du dich um dich kümmern - und dann kannst du auch Leistung bieten. Erschwerend kommt hinzu, dass dieses „Dann“ - „erst Leistung - dann ich“ –dieses Dann kommt einfach nie.

Die meisten von uns sind nämlich sehr gut darin, das alles wegzudrücken, zu ignorieren. Als wäre man wie in einer Blase, nach dem Motto: „Na, mir kann das nicht passieren.“.

Die Kunst ist, den Leuten wirklich klar zu machen: „Okay, du hast da ein Problem. Und das Problem ist riesig. Eigentlich, wenn du deine Augen mal aufmachen würdest, dann würdest du es auch sehen.“.

Und das hat gar nichts mit Intellekt zu tun. Meine Klienten sind alle super intelligent. Darum geht es gar nicht. Aber wir sind sehr, sehr gut darin, offensichtliche Probleme einfach erst mal wegzudrücken.

So lange, bis sie so eindeutig werden, dass wir sie nicht mehr wegdrücken können. Bis dann die Schmerzen so krass sind. Bis dann das Übergewicht so stark ist. Bis dann der Herzinfarkt da ist, die Arteriosklerose, der Schlaganfall.

Das sind dann die Momente, wo man irgendwann checkt: “Okay, so geht es nicht mehr weiter.”.

Aber bis zu diesen Momenten sind wir häufig sehr gut darin, das zu ignorieren.

Was ist der Gewinn – und was sind deine Tipps für mehr Selbstfürsorge im Alltag?

Es ist ganz wichtig, dass man sich klar macht: Gesundheit kann man nicht auf später verschieben. Und dass das etwas ist, was wirklich immer an erster Stelle stehen sollte. Vor allem anderen. Damit der Rest wirklich auch so funktioniert, wie man sich das vorstellt. Und hier sind erstmal ein paar die Basics, die man klarkriegen sollte:

Dass man wirklich einen vernünftigen Schlaf hat, der funktioniert. Dass man nicht bis 12.00, 1.00, 2.00 Uhr nachts am Computer hockt. Sondern dass man wirklich ein bisschen runter fährt am Abend. Dass man feste Zu-Bett-geh-Zeiten hat. Dass man plus minus 30 Minuten morgens auch immer zur selben Zeit aufsteht. Damit man sich an diesen Chrono-Typen gewöhnen kann.

Dass man guckt, dass man jeden Tag ein bisschen Tageslicht bekommt und Bewegung hat. 20 Minuten vor die Tür, einfach mal rausgeht. Gerne auch morgens oder abends, um zudem auch den Kopf frei zu kriegen.

Dass man beim Essen zumindest mal eine Mahlzeit am Tag hat, die man wirklich bewusst isst. Ohne Handy, ohne Laptop.

Ganz simple Basics. Wenn man die erst mal umsetzt, ist das etwas, was einem wirklich direkt weiterhelfen kann. Das sind die Dinge, bei denen du sofort merkst: “Ich habe mehr Energie. Ich fühle mich vielleicht besser. Mein Kopf wird freier und ich kann vielleicht auch bessere Entscheidungen treffen. Ich bin weniger reizbar. Ich meckere nicht in jedem Moment mein Team an.”.

Und langfristig merkst du es natürlich auch. Aber man muss sich das wirklich immer in kleine Stücke runterbrechen. So, dass der Berg nicht so riesig erscheint, sondern so, dass man sich auch traut, es anzugehen.

Was möchtest du uns gerne noch sagen?

Selbstfürsorge - und auch Resilienz - ist das beste Investment, das man in sich machen kann. Das Investment, welches sich massiv auszahlen wird. Nicht nur direkt, sondern auch langfristig.

Du minimierst damit Performance-Ausfälle. Kannst bessere Entscheidungen treffen. Und vermeidest, dass du am Ende extrem viel mehr Aufwand in die “Reparatur”, die Regeneration reinstecken musst, wenn es zum „Schaden“ gekommen ist.

Alle, die in den Berufen arbeiten, die extrem viel fordern, nicht nur vom reinen zeitlichen Invest, 50 Stunden, 60 Stunden oder noch mehr pro Woche. alle Jobs, wo du kognitiv 100% da sein musst, wo du wichtige Entscheidungen fassen musst - Unternehmer, Berater, Ärzte, Anwälte - wo du konstant abliefern musst und es dir nicht leisten kannst, auszufallen oder zu versagen - für alle die ist Selbstfürsorge kein Luxus, sondern Pflicht.

Du musst den Job nicht aufgeben. Du kannst weiter Gas geben. Aber man muss dann erst recht dafür sorgen, dass der Körper langfristig auch mitspielt. Gerade, wenn du stark belastet bist, musst du noch viel mehr darauf achten, dass du wirklich entsprechend Ausgleich schaffst. Und alle Säulen wirklich stabil stehen. Schlaf, Ernährung, Bewegung.

Dann ist deine Gesundheit so gut aufgestellt, dass du wirklich nachhaltig Gas geben, high performance abliefern kannst. Dann wirst du nicht nur körperlich profitieren, sondern es wird sich dieses Invest insgesamt positiv auf dein Business auswirken. Du bist viel präsenter in allen Meetings, Geschäftspartnern gegenüber. Klarer, wacher, präziser.

Wenn man das erste Mal merkt: „Au, ein qualitativ hochwertigerer Schlaf, der hat mich gut gemacht. Direkt, unmittelbar an dem Tag. Vielleicht sollte ich das öfter tun.“ – dann bist du auf dem richtigen Weg!

Elke Heinemann

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